Der Ursprung der Zuchtperlen

Seit mehr als 4000 Jahren werden Perlen gesammelt, gesucht, gekauft und als weltweit einziger organisch hergestellter Edelstein geschätzt. Lange bevor der Mensch lernte, Diamanten zu facettieren oder Smaragde zu schleifen, galten Perlen als der Inbegriff von Luxusschmuck und wurden nur den Reichsten und Einflußreichsten gewährt.

Tausende von Jahren lang suchten Menschen aller Kulturen nach dem schwer fassbaren Geheimnis der Perlen, warum und wie sie wuchsen. Die Theorien reichten von Tautropfen und Tränen der Götter bis hin zu der am häufigsten akzeptierten städtischen Legende von einem eingeschlossenen Sandkorn. Doch bis zum Ende des 19. Jahrhunderts konnten Wissenschaftler und Muschelzüchter nur Blasenperlen oder Perlen, die an der Innenseite von Muschelschalen befestigt waren, herstellen.

Dies änderte sich, als der im Ausland lebende britische Meeresbiologe William Sawville-Kent in Australien eine Methode entwickelte, um eine Muschel dazu anzuregen, ganze Perlen zu produzieren. Seine Technik bestand darin, eine runde Perle in eine Muschel zu pflanzen. Dies war schon einmal versucht worden, aber er entdeckte das eigentliche Geheimnis. Zusammen mit der Perle implantierte er ein kleines Stück Spender-Molluskenmantelgewebe. Die perfekte Kombination war geboren. Dieses kleine Stück Gewebe wirkte wie ein Katalysator für die Perlenproduktion. Es wuchs zu einem Perlensack, der die Perle umhüllte, sie mit Perlmutt umhüllte und eine Perle produzierte.

William Sawville-Kent starb kurz nachdem er diese geheime Technik entdeckt hatte, aber nicht bevor er sein Geheimnis mit zwei Japanern teilte; einem Mr. Tatsuhei Mise und Mr. Tokishi Nishikawa. Mise und Nishikawa kehrten mit dieser Technik nach Japan zurück und meldeten sofort Patente an. Zur gleichen Zeit züchtete der Perlenzüchter Kokichi Mikimoto Blasenperlen, suchte aber verzweifelt nach dem Geheimnis der ganzen Perlenzucht. Das Geheimnis war endlich nach Japan gekommen!

Nach mehreren Gerichtskämpfen gelang es Kokichi Mikimoto 1916 endlich, ein Patent für die ganze Perlenzucht zu erhalten. Die Zuchtperlenindustrie nannte sich die Mikimoto Pearl Company.

Mehr als 50 Jahre lang hüteten die Japaner ihr nationales Geheimnis und behielten ein faktisches Monopol auf die Perlenzucht und -vermarktung. Sogar Unternehmungen außerhalb Japans in Australien, Französisch-Polynesien, Thailand und Burma standen unter der Leitung japanischer Veredelungstechniker und Betriebsspezialisten. Die Techniker schworen einen Eid, das Geheimnis der Perlenkultur nie zu verraten.

Dieses gut gehütete Geheimnis blieb bei den Japanern bis in die späten 1950er und frühen 1960er Jahre erhalten, als andere Länder schließlich die gleichen Methoden für die Perlenzucht entwickelten. China begann in den 1960er Jahren mit der Zucht von Akoya-Perlen, ebenso wie Tahiti mit schwarzen Südsee-Perlen. Australien folgte bald darauf und produzierte aus der Perlenauster Pinctada maxima die grösste und wertvollste aller Zuchtperlen Südseeperlen.

Heute gibt es Perlenfarmen auf der ganzen Welt, und die japanische Dominanz in der Branche ist so gut wie verschwunden. Es gibt heute Tausende von Perlenfarmen in China, Hunderte in Französisch-Polynesien, viele in Australien, Vietnam und Korea und sogar einige kleine Betriebe in Indien, Venezuela und Mexiko. Bis vor kurzem gab es sogar einen Süßwasser-Perlenbetrieb in Tennessee.

Diese weit verbreitete Perlenzuchttechnik hat den Besitz von feinem Perlenschmuck endlich in die Reichweite fast aller Menschen gebracht. Süßwasserperlen können für nur wenige Dollar pro Strang für minderwertige, aber echte Perlen gekauft werden. Hochwertige Süsswasser- und Akoya-Perlen können nun für nur wenige hundert Dollar gesichert werden. Selbst tahitische Perlen kosten nicht mehr Zehntausende von Dollar pro Strang. Perlen sind jetzt eine Schönheit, die sich jeder leisten kann.

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